Kopfeichen-Logo

Projekt Kopfbäume im Landkreis Forchheim

1. Ausgangssituation

Der Hetzleser Berg im Landkreis Forchheim, Bezirk Oberfranken, besitzt sehr reichhaltige und strukturdiverse Gehölzbestände. Eine Besonderheit des Hetzleser Berges sind jedoch die jahrhundertealten Kopfeichen, die auch "Loheichen" genannt werden.

Jahrhundertealte KopfeicheDie noch weitestgehend intakte kulturhistorische Landschaft am Hetzles wird seit dem Mittelalter von Obstbau und Kopfeichenreihen geprägt. Die Eichen wurden in Reihen entlang von Feldwegen gepflanzt und regelmäßig ähnlich wie Weiden "geköpft". Ihre Reiser wurden hauptsächlich für die Gewinnung von Eichenrinde als Grundstoff für die Ledergerberei bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs wirtschaftlich genutzt. Die Technik des Baumschnittes und des Abschälens der Eichenrinde wurde als "Schneiteln", einem eigenen Handwerkszweig, bekannt. Bis heute sind noch 950 Kopfeichen auf einer Fläche von 25 qkm erhalten.

Inzwischen wird Leder industriell mit Chemikalien gegerbt - für Eichenrinde besteht kein wirtschaftliches Interesse mehr. Deshalb werden die durchwegs über 250Jahre alten, meist kernfaulen Bäume seit über 50 Jahren nicht mehr gepflegt und drohen durch das Gewicht der Kronenäste auseinander zu brechen und damit abzusterben.


 

Kopfeichen - Lebensraum für viele Tierarten

Der Eremit, ein äußerst seltener GastDie Kopfeichen bieten vielen verschiedenen Käfern und anderen Tierarten einen einzigartigen Lebensraum:

  • Dem Eremit, Osmoderma eremita, der auch Einsiedler oder Juchtenkäfer (weil er nach Juchtenleder riecht) genannt wird. Er ist der "Superstar" des Kopfeichenprojektes.
  • Dem Hirschkäfer (Lucanus cervus), der am Hetzles in den abgestorbenen Wurzelstöcken der Kopfeichen lebt.

2. Handlungsbedarf

Der Hirschkäfer mit seinen großen ZangenNiemand weiß mehr um die kulturhistorische Bedeutung der Kopfeichen, niemand kennt mehr ihre äußert seltenen Bewohner. Viele der Bäume sind durch Überalterung vom Auseinanderbrechen und Absterben bedroht.
Schutz, Erhalt und nachhaltige Pflege funktionieren jedoch nur, wenn die Bevölkerung, die Besitzer und die Gemeinden sich dafür interessieren. Das Kulturgut Kopfeichen mit seinen zoologischen Raritäten und seiner kulturhistorischen Bedeutung muss deshalb durch geeignete umweltpädagogische Methoden Zugang vor allem zu den Herzen der Bewohner und zukünftigen Bewahrer des Hetzleser Berges finden. Denn: " Man schützt nur, was man kennt!"


3. Projektidee

In einem zweijährigen umweltpädagogischen Projekt sollen Informationsveranstaltungen, Exkursionen und Fortbildungen für Multiplikatoren und Entscheidungsträger durchgeführt werden, um die Kopfeichen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen und um damit eine Grundlage der Wertschätzung zu Erhalt und Pflege zu schaffen.
Der Schwerpunkt ist dabei die Umweltbildung für Kinder, Jugendliche und Familien sein, um die wirklich langfristige und nachhaltige Sicherung der Kopfeichenbestände zu gewährleisten.

Anstoß wirtschaftlicher Nutzung der Rinde

Handwerker beim Schaben von LederDie Handwerkstechnik des Schneitelns soll durch geeignete Bildungsmaßnahmen wieder bekannt werden. Die Rinde soll durch eine entsprechende regionale Vermarktung wieder wirtschaftlich zur Ledergerberei genutzt werden. Erste Kontakte zur Wirtschaft bestehen bereits.

Für eine langfristige Sicherung der Bestände ist zusätzlich ein fachliches Pflege- und Entwicklungskonzept mit entsprechendem Monitoring für das Gebiet der Kopfeichen nötig, in das die sie umgebenden Streuobstwiesen, Feldgehölze, Hecken und Grünlandbereiche mit einbezogen werden sowie entsprechende Schutzmaßnahmen. Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachbereichen Botanik, Zoologie und Geographie der Universität Erlangen/Nürnberg ist für diesen Zweck vorgesehen.

4. Projektmaßnahmen

Druck von Informationsmaterial

Eine Broschüre soll als erstes Informationsmaterial gedruckt werden und an die Bevölkerung rund um den Hetzles verteilt werden.

Baumpatenschaften und Pflanzaktionen

Gesammelte Eicheln und kleine Eichen werden an Baumpaten abgegeben mit einer Anleitung zum Schneiteln. Sie können ihre Bäumchen selbst an den Ort ihrer Wahl pflanzen. In verschiedenen Pflanzaktionen unter Beteiligung möglichst vieler Bürger sollen Sämlinge gezielt am Hetzles und in Korridoren zur Vernetzung zu anderen Lebensräumen der Kopfeichen gepflanzt werden

Erstellung einer Homepageseite: "Gestatten: Kopfeiche!"

Auf einer Seite der Umweltstation Lias - Grube werden alle Aktionen laufend dokumentiert. Dort werden Informationen zum Thema bereitgestellt.

Führungen, Eichenerlebniswanderungen, umweltpädagogische Aktionen

Rund um die Kopfeichen ist die Durchführung von geführten Wanderungen, Zeichenworkshops, die Erstellung einer Lehrerhandreichung, Schulungen von Multiplikatoren wie Lehrern, Naturschutzwarten oder naturschutzfachliches Personal, Kurse zum Thema Schneiteln, eine Wanderausstellung, Diavorträge u. v. m. geplant.

Entstehung der typischen Kopfform der KopfeichenGeschneitelte Eichen Logo des Kopfeichenprojektes

Faltblatt des Kopfeichenprojektes als PDF-Datei (1713 KB):

Die Dokumentation zu den Kopfeichen:

SCHAEFER-LUTZ, U. /UMWELTSTATION LIAS-GRUBE (2003): Kopfeichen am Hetzleser Berg, Grundlagen für ein ABSP-Projekt im Landkreis Forchheim

ist bei folgender Internetadresse zu bestellen:

www.bayern.de/lfu/natur

 

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